Das Konzept FaDA: von der Bedarfsermittlung zur Entwicklung der Schulungsmodule

Um bedarfsorientierte Schulungen zu entwickeln, war es erforderlich zuerst auf der Grundlage einer qualitativen empirischen Erhebung (Sprach-Bedarfsermittlung) den tatsächlichen kommunikativen und fachsprachlichen Bedarf am Arbeitsplatz einer Pflegekraft in der stationären Altenpflege zu ermitteln. Dabei sollte sowohl der betriebliche, also objektive, als auch der individuelle, also subjektive, Bedarf festgestellt werden. 

Die leitenden Fragen lauteten: 

  • Welchen kommunikativen und fachsprachlichen Bedarf gibt es im gesamtbetrieblichen Ablauf und in den unterschiedlichen Bereichen bzw. Aufgaben des Arbeitsplatzes einer Pflegekraft? 
  • Welche individuellen fachsprachlichen und kommunikativen Kompetenzen der Mitarbeiter/innen im Betrieb sind erforderlich? 
  • Welchen eigenen Lernbedarf sehen die Pflegekräfte?

Ziel war es, die authentische Sprachverwendung im Berufsalltag einer Pflegekraft zu ermitteln, um – anders als im klassischen Sprachunterricht – in den Schulungen authentische Lernsituationen und Lernmaterialien zu verwenden und zu erstellen (z. B. in Rollenspielen, Videoaufnahmen, Übungen usw.).

Hierbei kam der Ansatz der Kompetenz- und Ressourcenorientierung zum Tragen, der ein zentraler Ansatz in der Pflege ist, um die Bereitschaft und Motivation zur Entwicklung zu fördern. Aus ihm leiteten sich konkrete Fragestellungen nach Kompetenzen, sowohl in der objektiven als auch in der subjektiven Bedarfsermittlung ab: 

  • Was gelingt den Pflegekräften im kommunikativen Handeln?
  • Was gibt es noch zu ergänzen oder zu verbessern? 
  • Welcher Entwicklungsbedarf wird gesehen?

Instrumente der objektiven Sprach-Bedarfsermittlung waren Interview- und Beobachtungsleitfäden für Hospitationen. Für die Feststellung des individuellen Lernbedarfs wurden Fragebögen für die teilnehmenden Pflegekräfte entwickelt, die als Leitfaden in Einzelgesprächen Einsatz fanden.

Das Projektteam hospitierte in jeweils zwei Früh- und Spätschichten, um einen Einblick in konkrete Arbeitsplatzsituationen der stationären Pflege zu bekommen und diesen zu dokumentieren. Insgesamt führten die Projektmitarbeiterinnen 24 Interviews mit Einrichtungsleitungen, Pflegedienstleitungen, Wohnbereichsleitungen, mit Pflegefach- und Hilfskräften, externen Akteuren, Bewohner/innen und Angehörigen. Die Ermittlung des schriftlichen Bedarfes erfolgte durch die Analyse authentischer Materialien, die von den Einrichtungen zur Verfügung gestellt wurden, wie Pflegedokumentationen (anonymisiert), Auszüge aus QM Handbüchern, wie z. B. Beschreibung der Pflegestandards, Pflegepläne, Hausmeisterzettel u. a. 

Unter Beteiligung der Experten/innen der Projektgruppe Karin Behlke, Petra Szablewski-Cavus und Werner Karl wurde eine Auswertungsmatrix entwickelt. Mithilfe dieser Matrix wurden die kommunikativen und fachsprachlichen Anforderungen in unterschiedlichen Arbeitsplatzsituationen aus den Interviews und Hospitationen abgeleitet und erfasst. In die Analyse flossen die unterschiedlichen Perspektiven der Interviewten mit ein. Darauf folgend wurden Aufgaben- und Handlungsfelder identifiziert, denen entsprechende Anforderungen an kommunikative und fachsprachliche, sowie allgemeine soziale und interkulturelle Kompetenzen zugeordnet wurden.